Insanity is part of the times. You must learn to embrace the madness. Let it fire you. (L. Mollari)

Mittwoch, 21. Dezember 2016

The Fir Tree

The place that I called home is doomed to death.
All those crouching bushes ravishing
My nurture, sucking up the healthy fluid.
Greedy fingers suffocate my stem
And greenish needles swiftly growing dark.
Nourishment is nevermore to reach
My deep and deeper running roots again.
Starving in hereditary wealth,
        I’m thinking, asking, crying: sally forth?!        

But old trees do not move, the hope – forlorn;
Stuck! And weed desertifies my home.
And every little inch of my own soil:
Henceforth ruled by parasites and pest.
And whensoever cometh my last dance,
Death will find me perishing with pride.
My Legacy is buried deep for times,
Safe and sound in dark eternal earth.
My dying wish: rainwater for Your mind. 

II (2011)

Freitag, 28. Oktober 2016

Kritik an Tolkien?

Ein Like bei facebook machte mich auf dieses Schmuckstück unmotivierter und unreflektierter Schreibe aufmerksam:


"Zwei Menschen gehen durch die Landschaft. Der eine ist ein unsäglich selbstmitleidiger Jammerlappen, der andere eher ein freundlicher Optimist. Der Optimist muss den Jammerlappen ständig ermutigen, dieser zeigt sich immer wieder beratungsresistent. Was wie eine Inhaltsangabe ..." weiterlesen







... und ich kann es einfach nicht unkommentiert lassen.


Kritik an Tolkien? - Gewiß, aber nicht so. 

J.R.R. Tolkien, der Bewunderte, der Mißverstandene, der Geschmähte. Ein Autor, dem man im wahrsten Sinne des Wortes poetisches, also schöpferisches, Genie nachsagen darf. Sein Opus magnum sucht seinesgleichen, besticht es doch nicht nur durch seine liebevoll-märchenhafte Inszenierung, durch seine beispiellose Komplexität, sondern vor allem auch durch die gleichnishaft angelegten Figuren vor deren innerer Verfaßtheit sich stets die passend ins Licht gesetzte Landschaft ausbildet. In großer Bandbreite kartiert Tolkien die menschliche Seele und indem er vor allem den Untiefen persönlichen, unruhigen Strebens den inneren Kraftakt des „Führe-mich-nicht-in-Versuchung“ gegenüberstellt, steht der „Herr der Ringe“ fraglos in der Tradition der großen Erzählungen der Menschheit, deren drängendste Topoi er in bemerkenswerter epischer Wucht umsetzt.
46 Jahre später schließlich kommt ein ambitionierter Regisseur, sich einen lange gehegten Traum zu erfüllen. Zwischen 2001 und 2003 bringt Peter Jackson dieses Mammutwerk über die allenthalben ausgelegten Fallstricke menschlichen Daseins in gebührender Bildgewalt, die dennoch die kontrastierenden, leisen Töne nicht vermissen läßt, auf die Leinwände dieser Welt. Ein Husarenstück. Chapeau!  
Aber wo Großes geschaffen wird, finden sich notwendigerweise auch immer die Krittler, bald mit klug vorgetragener Kritik, bald mit tumber Bemäkelung. Wollten die einen noch, womöglich um des lieben Seelenfriedens willen, Sauron und die Seinen als literarische Spiegelungen Hitlers und des Deutschen Reiches verstanden wissen, schlugen andere, allen voran Michael Jovy (1980), in die entgegengesetzte Kerbe und stellten, in bewußter Verkennung einer Licht-Dunkel-Metaphorik, die so alt ist wie die Kunst selbst, den Autor unter Rassismusverdacht.
Aber was bleibt eigentlich, wenn man alle nur erdenklichen Lesarten, positive wie negative,  wiederholt vor- und wiedergekäut hat? – Natürlich: der Vorwurf der Banalität, der Langeweile, der fehlenden Stringenz – kurz: der literarischen Unzulänglichkeit. Dieser Tadel kommt nun von Charlotte Haunhorst, einer angehenden Journalistin, die sich an Umfang und Tiefe der Ring-Trilogie ganz offensichtlich verschluckt hat und nun Gewölle spuckt. In der, womöglich aus reiner Verlegenheit aus der Taufe gehobenen Serie „Hass auf Kunst“, darf sie unter der Formel „Was soll der Hype um...“ bei SZ-Online Dampf ablassen. Freilich ist ihre Schreibe in vorausgeschickter Subjektivität gehalten, und das erspart es ihrem flachen Artikelchen auch, mit einer echten Literaturbesprechung verwechselt zu werden. Dennoch: Gerade das Contra will gelernt sein, so daß selbst die eigene Abneigung beim Leser Interesse wecken mag, nämlich durch feinen, bescheidenen Stil, vor allem aber durch Argumente. Frau Haunhorst verweigert Tolkien die Anerkennung, geschenkt. Schwer wiegt hingegen ihr Versäumnis, nicht nur das eigene stilistische Profil, sondern auch das Reflexionsvermögen an einem der großen Texte des 20. Jahrhunderts zum eigenen Gewinn geschärft zu haben. Schon der einleitende Vergleich mit dem Absurden Theater, zugleich Tenor der ganzen halbgaren Philippika, hinkt gewaltig und schlägt sogar darin fehl, trotz ostentativer Nennung Becketts und seines schon symbolhaften Godots, so etwas wie literarische Kompetenz vorzuspiegeln. Was folgt liest sich wie eine mehr schlecht als recht übertünchte Selbstanklage, daß man nicht nur kein Durchhaltevermögen besitzt, sondern auch das für die Ring-Trilogie unerläßliche Mit-, Nach- und Durchdenken nicht aufzubringen imstande war.  
Letzten Endes verfängt sie sich in einem der basalen, im Buch (wie auch im Film) verhandelten, Fallstricke: schwach erliegt sie der menschlichen Neigung, vorschnell zu urteilen. Frodo immerhin hat diese Lektion gelernt.
Wenigstens scheint sie gefunden zu haben, und das mag der ganze Zweck dieser Aufgabe gewesen sein, was der „selbstmitleidige“ Ringträger und sein „optimistischer“ Gefährte klugerweise zu vermeiden suchen: Aufmerksamkeit. 

(II)

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Deutscher Herbst

Atmet nur leise … aus. Ein Hauch, nicht mehr, 
Der Wahrheit aus der berstenden Brust. 
Schon fallen sie, 
Die Blätter, 
Im neuen Herbst; 
Als Dung, 
Zur überdüngten Erde - 
Das Laub biegsamer Baumriesen
Mit spindeldürren Ästen und schweißnassem Geflecht - 
Ohne Grün, jetzt nicht mehr. 
Das Überschmissene verrottet - der Stamm stirbt mit. 
Aber die Blätter, sie säuseln noch - Worte 
Dahin; Appelle, die 
Fallen; Reden, die 
Kreiseln und 
Landen -  
Humus.  
Gleiches aus Gleichem.
Stillstand.
Und Schwäche.  
Atmet tiefer, blast kräftiger! - 
Die Wurzeln faulen dahin.
Sie halten nicht!  
(II)

Dienstag, 6. Oktober 2015

Der deutsche Dämon

in: BlaueNarzisse

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ (aus Immanuel Kant: „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“)

Aber Ideale sind nur so stark, wie sie viral sind, und wenn die geistigen Vorreiter den Weg alles Irdischen gehen, droht, wenn niemand die Fackel weiterträgt, auch ein Schatten auf das Licht zu fallen. Es beginnt zu verblassen und existiert schließlich nur noch in der Latenz. Und so befinden wir uns heute im Großen und Ganzen in demselben geistigen Siechtum wie die Menschen, nicht nur zu Kants, sondern zu beinahe allen Zeiten. Der Unterschied liegt allein in den immer effektiver werdenden Methoden der Nutznießer, den Status quo geistiger Unmündigkeit und damit das Fundament der Herrschaft der Wenigen über die Vielen zu zementieren.

     Brot und Spiele für die Indifferenten, Angst für die Aufrührer

Die Vernunft muß also in tolerierbaren, und das heißt kontrollierbaren, Grenzen gehalten werden. Dazu bedient man sich dem probatesten aller Mittel: Brot und Spiele für die Indifferenten, Angst für die Aufrührer. Das Brot wird dargereicht, die Spiele beizeiten nachjustiert – allerdings, der Einsatz der Angst will gelernt sein. Denn wie keine andere Emotion taugt sie einerseits dazu, gefügig zu machen, kann aber andererseits, hat sie erst einmal den Grad realer Existenzfurcht erreicht, Herrschaftskompetenz und –anspruch in Frage stellen. Droht ein solches Szenario, so muß mit diffusen Ängsten gegengesteuert werden, die sich aus dem reichen Fundus der Sorge um soziale Akzeptanz schöpfen. In Deutschland ist die so wichtige soziale Akzeptanz eng verknüpft mit einem Dämon, der sich vor 70 Jahren des deutschen Gewissens bemächtigt hat.

     Der Dämon und die Schädigung der deutschen Seele

Nach dem kataklystischen Ende des Dritten Reiches hatte sich ein dunkler Schatten des Zweifels auf die deutsche Seele gelegt. Offiziell hatte man seitens der Alliierten zwar versucht, den nationalsozialistischen Dämon in einem Massenexorzismus auszutreiben; die unrühmliche Folge von Entnazifizierung und Reeducation war jedoch eine umso nachhaltigere Schädigung der deutschen Seele, die der später reüssierende linke Antifaschismus in einem geistigen Bildersturm noch ausweiten sollte.

Mit einigem historischen Abstand, körperlich gestärkt durch wirtschaftliche Prosperität, geistig durch ein dynamisiertes, jugendlich-narzißtisches Rebellentum und schließlich im Kielwasser der länderübergreifenden Studentenrevolten, hatte sich die postfaschistische Intelligenz des Dämons längst bemächtigt, um ihn in Form des ewigen Selbstzweifels und der unbedingt singulären historischen Schuld umso tiefer im kollektiven Unbewußten zu verankern und so ein neues System geistiger Knechtschaft zu etablieren.

     Die schwächliche Passivität der Bürger

Nicht eigentlich während der „Zwölf Jahre“, erst hinterher wurde er den Deutschen zur zweiten Seele, zum verborgenen Sein des Daseins. Die deutsche Erbsünde wurde zum soliden Fundament, worauf man einen neuen Glauben aus der Taufe hob, der bis heute eine gesunde Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte untergräbt und so ein ganzes Volk um seine Zukunft betrügt. Dabei ist die so entstandene Religion ein unvollendeter Dualismus, der keinen Himmel verspricht, sondern, in seiner strengen Fokussierung auf das zu überwindende Böse, allenfalls eine Vermeidung der Hölle in Aussicht stellt. Es gibt kein Streben nach dem Guten, sondern ein nimmermüdes Wühlen und Graben nach den letzten Resten des verschütteten Bösen. Der einfache Bürger wird indes von der implementierten Angst vor dem Offenbarwerden der eigenen Befleckung kontrolliert und verharrt in einem Zustand schwächlicher Passivität. Dulden, Abnicken, Katzbuckeln – das sind die Früchte des Dämons, das ist die „German Angst“.

     Den Dämon reiten

Um sich Dämonen dienstbar zu machen, weiß man, muß man ihre Namen kennen. Und so vergeben die Lenker der politischen Agenda und ihre Paladine in den Medienbetrieben sie kurzerhand selbst. So läßt sich jeder Apostat, ob Euro-, Klima– oder Asylkritiker, bei Bedarf als Nazi entlarven – doch das ist nur die Pflicht. Die Kür: in allen übrigen Selbstzweifel und Schuldgefühl festigen und sie zu schlafwandelnden Geißlern voller Selbsthaß erziehen. Zugegeben entbehrt es nicht einer gewissen Eleganz, den alten Traum vom Volkstod in die willfährigen Hände des Volkes selbst zu legen.

Und so lautet das Programm: mediale Dauerberieselung. Kaum einen Tag läßt man verstreichen, ohne wenigstens in einem Artikel oder einer TV-Dokumentation mit erhobenem Zeigefinger von Hitler zu reden und deutsche Schuld und Verantwortung anzumahnen. Das Risiko einer durch Überangebot neu erwachenden Faszination am Dritten Reich ist dabei ein kalkuliertes – denn die große Masse reagiert wie gewünscht.

     Die weltweit größte Selbsthilfegruppe

Die Bedrohung durch den Nazismus (den äußeren wie auch den, gefährlicheren, inneren) ist fest in den Köpfen und hat erheblichen Anteil an Denken und Handeln. Immerzu ist die Sorge präsent, es könne durch eine übereilt-unüberlegte Äußerung das Kainsmal der Besessenheit auf der Stirne brennen. Und so entstand die vielleicht weltgrößte Selbsthilfegruppe, die unablässig den prophylaktischen Exorzismus besorgt. Man spricht oder postet das neue Tedeum (gegen Nazis; sonst für alles) – schon ist man dabei, hat Teil am euphorisierenden Massenablaß und darf moralinsauer auf das Schandmal der Unreuigen zeigen. Millionen Bundesbürger, ganze Konzerne, Medienbetriebe, Politiker und Vereine stehen zusammen – ein gewaltiges Aufgebot der Bußfertigen, den Aufschrei im Munde: Vade retro satana!

So hält man ein ganzes Volk fest an den Zügeln, indem man ihm die unlösbare Lebensaufgabe mitgibt, gegen einen Dämon zu kämpfen, der nicht mehr ist, als ein Schatten der Angst, den man mit chirurgischer Präzision in die Herzen gelegt hat.

     Der Dämon an seiner Grenze

Aber heute steht dieser Dämon vor seiner Herkulesaufgabe: den weitestgehend reibungslosen Ablauf einer forcierten Masseneinwanderung aus fremden Kulturkreisen gewährleisten. Hier muß sich seine Macht erweisen. Ist er stark genug, ein Volk im Zaum zu halten, dem es langsam dämmert, daß es abgeschafft werden soll? Bis zuletzt sah es ganz danach aus. Der Pegida-Bewegung, der ersten ernst zu nehmenden Demonstrationskultur seit 1989, hatte man, nach unzähligen Anläufen, sie zu diskreditieren, schließlich die Öffentlichkeit entzogen.

Eine kritische Gegenöffentlichkeit konnte man auch nicht dulden, jetzt, da durchzusickern begann, welches Ausmaß die sogenannte Flüchtlingswelle erreichen würde. Stattdessen verlegte man sich ganz auf die mediale Befeuerung eines Phänomens, das den seelisch geplagten Deutschen genau das geben konnte, was sie brauchten; und das gerade jetzt, nachdem man ihnen mit einer verzerrten Berichterstattung wieder den Nazischrecken in die Herzen gelegt hatte: das schöne Gefühl nämlich, gut zu sein.

Nach Pegida, oder wenigstens nach dem, was die Medien daraus gemacht hatten, dürfte es für viele einer innerlichen Befreiung gleichgekommen sein, öffentlich zeigen zu können, daß man eben nicht zu denen gehört, denen man ja, wie die Kanzlerin gemahnt hatte, nicht folgen solle. Und so gebar sich eine Gesellschaft im Dauerzustand seelischer Pein und Verunsicherung den eigenen Erlöser: den Flüchtling. Name, Hashtag und Logo waren schnell parat, und, euphorisiert von so viel eigener Herzensgüte, wagte niemand mehr einen zweiten Blick. Kein Hinterfragen, warum man den „Flüchtling“ begrüßte, wie den verloren geglaubten Sohn; auch kein Thema war das allgegenwärtige „Vater-Mutter-Kind-Logo“, das der Migrationsrealität Hohn spricht; und erst recht schien sich niemand Gedanken darüber zu machen, wer nach der ausgelassenen Feier aufräumen wird.

     Refugees Welcome als kategorischer Imperativ

Längst war „Refugees Welcome“ zum neuen Kategorischen Imperativ geworden. Die bis zum Äußersten überdehnte Nächstenliebe hatte religiöse Züge angenommen und den Pilgerfahrten zu den überquellenden Bahnhöfen und Erstaufnahmeeinrichtungen haftete der unheimliche Nimbus einer Massentaufe an. Und wer sich nicht taufen ließ, oder wenigstens anderweitig Zustimmung signalisierte, der mußte zum Ketzer werden und es drohte die Inquisition – das zumindest war die unterschwellige Botschaft, die mit einigem Erfolg vermittelt wurde.

Und doch gab es die Ketzer, und sie blieben und ihre Zahl wächst. Zusehends schwindet die Bereitschaft, sich den alten Sauerteig, in der massenhaften Einwanderung ausschließlich notleidende Flüchtlinge zu sehen, und, wo nicht, sie doch immerhin als Bereicherung zu begreifen, vorsetzen zu lassen – er schmeckt nicht mehr. Längst spricht sich herum, daß vielen Helfern anstelle von Dankbarkeit, Forderungen und Unverschämtheiten entgegenschlagen; längst häufen sich die Berichte über Unruhen, Massenschlägereien und Gewalt gegen Minderheiten innerhalb der Lager, und längst dämmert es den Bürgern, daß die Zahl der Kommenden sich durch Familiennachzug leicht vervierfachen wird.

     Der Protest im Netz schießt übers Ziel hinaus

Die kritischen Stimmen werden lauter, die Wahrnehmung verändert sich und die beunruhigenden Begriffe Völkerwanderung, Invasion und Landnahme machen die Runde. Die Brisanz der Lage, die absehbare Folge dieser quasiverordneten Selbstlosigkeit, nämlich die irreparable Umwälzung der Lebenswirklichkeit, provoziert mehr und mehr Widerstand; und der wandert zunehmend in die sozialen Netzwerke ab, wo die kritische Gegenöffentlichkeit noch einen Raum findet. Daß hier, in der Mittelbarkeit der virtuellen Welt, mit härteren Bandagen gekämpft wird, überrascht nicht. Insbesondere wenn immer offensichtlicher wird, daß das Recht auf freie Meinungsäußerung zusehends ausgehöhlt wird.

Daß hierbei nicht nur die Grenze des guten Geschmacks, sondern auch die der Legalität bisweilen überschritten wird, ist der unangenehme Nebeneffekt eines onlinetypischen Dynamismus, der weder auf die aktuelle Situation, noch auf bestimmte politische Lager begrenzt ist. Dennoch ruft er nicht nur die staatlichen Befürworter der Zensur auf den Plan, sondern auch viele der neuen Exorzisten, die in bester DDR-Manier schnüffeln und denunzieren und so schon den einen oder anderen vermeintlichen Nazi um seinen Job gebracht haben. (Was die Web-Islamisten so alles treiben, danach kräht freilich kein Hahn.)

     Vereinheitlichte Berichterstattung

Doch nicht nur in den Zensurbemühungen zeigt sich eine wachsende Hilflosigkeit der Regierenden. Gerade die derben Beschimpfungen großer Teile des eigenen, trotzig gewordenen Volkes offenbaren den zunehmenden Kontrollverlust einer Politkaste, die durch Lügen und Mißachtung des Amtseides jede Bindung ans Volk verloren hat und deren dauernde Mahnungen nicht nur unglaubwürdig, sondern anmaßend wirken. Diskreditiert sind auch die Journalisten, die ihren Auftrag der Gewährleistung einer freien Meinungs– und Willensbildung aufgegeben haben zugunsten einer großen vereinheitlichten Berichterstattung.

Die wichtigsten Stützen des gesellschaftlichen Paradigmas sind morsch geworden. Die Speerspitze der Anständigen müssen nun die verbleibenden Idole der Jugend bilden: Sport und Popkultur. Während die Fußballbundesliga einen beharrlichen Kampf gegen einen vermeintlich deutschlandweit grassierenden Rassismus führt (anders lassen sich die beständigen Bekundungen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit nicht lesen), übt sich eine Riege von Künstlern (sowohl echte als auch solche aus der Zoten-Sparte) an der süffisanten Dekonstruktion der Ängste und Sorgen einer, als „Pack“ definierten Volksmenge. Daß moralische Keulen von Prominenten wie Til Schweiger und von derben Komikern wie Joko & Klaas, daß das schmissige Spottlied der ebenso attraktiven wie vulgären Parodistin Carolin Kebekus und vor allem auch die Wiederauflage des frühen Ärzte-Schlagers „Arschloch“ gerade bei den Jüngeren verfangen, verwundert nicht. Ob diese die vermittelte Botschaft aber auch auf Dauer verinnerlichen werden, bleibt abzuwarten.

     Der Wille, Gutes zu tun, wird pervertiert

Das Land ist zweifellos gespalten, und die wirkliche Tragik liegt wohl darin, daß, im medialen Kreuzfeuer und der, oben erwähnten, Fokussierung auf das „Böse“, der persönliche Wille, Gutes zu tun, pervertiert wird. Nächstenliebe wird verordnet und dadurch unecht. Die ehrliche Hilfsbereitschaft für wirklich Notleidende wird ad absurdum geführt in einem wahnhaften Zusammenmischen aller Einwandernden unter der Losung der „Willkommenskultur“. Dabei wird das Unbehagen, das viele Bürger angesichts der unkontrollierten Einwanderung empfinden, gerne als irrationale und durch Vorurteile katalysierte Angst abgetan – doch das Gegenteil ist richtig.

Da der Großteil der Kommenden jung, männlich und muslimisch ist und man in der jüngeren Vergangenheit wiederholt gravierende Probleme mit eben dieser ethnisch-sozialen Gruppe zu beklagen hatte (zumeist vereinfacht als „Jugendgewalt“ verschlagwortet) und man darüber hinaus das Erstarken eines Radikal-Islams sehenden Auges verfolgen kann, handelt es sich um eine auf Erfahrungsurteile gegründete, rationale Furcht. Es braucht keine Propheten und es braucht keine Experten, um vorauszusehen, daß sich die deutschen salafistischen Gruppierungen um die muslimischen „Flüchtlinge“ bemühen werden – und sie werden die besseren Argumente haben, als der Staat. Und eben diese Furcht, zunächst unterschwellig, nun, angesichts einer sich immer deutlicher abzeichnenden Bedrohungslage, deutlich heraustretend, läßt sich weder mit beruhigenden Worten und frommen Reden, noch mit dem Vorwurf irgendwelcher Phobien kontrollieren.

     Die Kanzlerin drückt sich umso fester in den Sattel, wenn das Pferd mit ihr durchgeht

Zulange haben Regierung und Medien getäuscht, haben Sedativa verabreicht; und nun droht das Lügengebäude ihrer Politik zu bersten unter seinem eigenen Gewicht und die Herrschenden müssen mit ansehen, wie sie das Volk an ihren schlimmsten Feind verlieren, der nun mit der Wucht der Stauung hervorbricht: das kritische Bewußtsein.

Nun ist Schadensbegrenzung das Gebot der Stunde und der eben noch so hart gefahrene Kurs gegen kritische Stimmen wird plötzlich weicher – beinahe zahm, und (mit Ausnahme der Kanzlerin, die sich, so scheint’s, umso fester in den Sattel drückt, wenn das Pferd mit ihr durchgeht) man macht sich wieder gemein mit den Ängsten und Sorgen der Bürger. Gewiß, es ist eine Solidarisierung auf Zeit. Man wartet ab, man hofft, daß die Waberlohe der Kritik früher oder später ausbrennen wird. Aber besser früher als später, denn spätestens, wenn der Winter kommt, müssen die Herzen der Bürger, müssen die Tore Deutschlands wieder weit sein.

Bis dahin wiegt man das Volk in Sicherheit, redet ihm nach dem Munde. Unsägliche Begriffe finden wieder den Weg in die öffentliche Debatte: Unveräußerlichkeit abendländischer Werte, Leitkultur. Freilich sind die über die Jahre bis zur Unkenntlichkeit erodiert und so zerfällt dieser letzte Hoffnungsschimmer, das Ganze zu einem guten Ende zu führen, zu Staub.

Es ist an der Zeit, sich bewußt zu machen, daß wir nichts mehr haben (abgesehen von Sozialleistungen), worein sich die Millionen, die kommen, integrieren können. Nun liegt es an uns. Finden wir wieder zu uns, nehmen wir Abstand von ungesunder Unterwürfigkeit und Selbstverachtung und gewinnen so eine neue Attraktivität, oder verharren wir in der pathologischen Sehnsucht, um jeden Preis und von allen geliebt zu werden? Allerdings – in welche Ironie des Schicksals das münden kann, hat Patrick Süskind ganz hervorragend in seinem Parfum beschrieben: Jean Baptiste Grenouille wird am Ende aus lauter Liebe aufgefressen.

     Den Dämon besiegen

„Dämonen, weiß ich, wird man schwerlich los, /Das geistig-strenge Band ist nicht zu trennen.“ Das sind die Worte des todesnahen Faust, und es scheint beinahe, als hätte Goethe sie den Deutschen ins Stammbuch geschrieben. Das geistig-strenge Band ist nicht zu trennen! Aber eben diese unheimliche Macht des Dämons gilt es zu brechen. Anders als wir, die wir gelernt haben, ihn zu hüten und als Teil unseres Selbst anzuerkennen, stellt sich Faust seinem Dämon und überwindet ihn in einem finalen Akt titanischer Selbstbehauptung (Doch deine Macht, o Sorge, schleichend groß, /Ich werde sie nicht anerkennen).

Final sollte es für uns nicht sein, noch nicht; dennoch – was ihn dazu befähigt, stünde auch uns gut zu Gesicht. Es ist das, was den vergangenheitsgeschädigten Deutschen abgeht: eine ungebrochene Seelenkraft, die unablässig treibt, das Niederziehende zu überwinden und zu Höherem zu streben. Aber diese innere Verfaßtheit, das Faustische, hat man uns ausgetrieben. Es war verdächtig geworden und man sah nur noch die verderblichen Nebenwirkungen: Hybris, Amoral und nietzscheanisches Übermenschentum; und Faust selbst mußte (in vielen Exegesen) zum tragischen Verlierer werden. – Aber dazu muß es nicht kommen und wir sollten uns daran erinnern, daß auch gerade hohe Geisteskraft und Willensstärke im Faustischen liegen. Es darf nicht mehr ausnahmslos als die Krankheit gelten, die direkt ins Dritte Reich geführt hat – Erkenntnis und Freiheitsstreben und unbedingten Willen gilt es zu kultivieren, dann kann das Faustische die Heilung sein für eine am Boden liegende Seele. Nur ein freies, selbstbestimmtes und selbstbewußtes Volk kann dazu in der Lage sein, eine überwältigende Masse von Fremden, wo sie nicht abgewehrt werden kann, zum Vorteil aller zu assimilieren.


Wir haben es in der Hand. Wir müssen aufwachen aus dem Dornröschenschlaf, wir müssen die rosarote Brille ablegen, wir müssen den Dämon besiegen, wir müssen Ketzer sein – und wir müssen wieder lernen, unseren Verstand zu gebrauchen. Sapere aude!

(JJ) 

Dienstag, 8. September 2015

Der Ruf der Gerechten

in: BlaueNarzisse

Give me your tired, your poor / Your huddled masses yearning to breathe free.

Von diesen Zeilen, der Einwanderungsgesellschaft par excellence ins Stammbuch geschrieben, träumen wohl auch die europäischen „Eliten“ – aber das Volk ist gespalten. Während die einen weiterhin die humanitäre Verpflichtung Europas (und insbesondere Deutschlands) beschwören und in den Millionen Einwanderern nicht nur akut bedrohte Flüchtlinge sehen, sondern auch die notwendige Bereicherung für die eigene, scheinbar überkommene Kultur (an deren Demontage sie freilich tatkräftig mitarbeiten), und sich gegenseitig mit der Organisation der bestmöglichen Willkommensfeste für die Immigranten übertrumpfen, finden sich die anderen in der finalen Phase des lange prophezeiten Untergangs des Abendlandes wieder.

Freilich sehen sich letztere dem ständigen Verdacht der Xenophobie ausgesetzt, und die begründete Furcht wird umgedeutet zum „Pfad, der zur dunklen Seite führt“. Bewußt ausgeblendet wird hierbei, daß die Furcht nicht unweigerlich in die Parteinahme für ein neues dunkles Imperium führt, sondern in erster Linie Ursache ist für den überlebenswichtigen Impetus, der vor dem letzten Schritt über den Abgrund inne halten läßt und die Vernunft reaktiviert.

Blickt man nun auf die Menschenmassen, die derzeit über Balkan und Mittelmeer nach West- und Nordeuropa drängen, dann erscheint es in der Tat grotesk, wie wir die zur Bewältigung dieser herkulischen Aufgabe dringend angebrachte Nüchternheit leichtsinnig fahren lassen im Eintausch gegen einen höchst emotionalen Aktionismus. Dabei ist es unverantwortlich, gesellschaftliche und politische Umwälzungen dieses Ausmaßes auf der Gefühlsseite zu verhandeln. Eine dringend gebotene, ehrliche Debatte kann indes nicht zustande kommen, wo man Begriffsverwirrung um Flüchtlinge und Einwanderer betreibt und so die eine Seite a priori dämonisiert wird.

Daß sich zuerst die Worte, dann die Begriffe und schließlich die Sachen verwirren, ist, zugegeben, ein strapaziertes Diktum – doch das macht es nicht weniger wahr. Und so verpaßt man den Millionen, die „kommen, um zu bleiben“, das Etikett  „Flüchtling“ und macht sie sakrosankt. Wer sich dagegen stellt, der wird zum „Häßlichen Deutschen“, dessen Bild man jüngst wieder mit erhobenem Zeigefinger von früh bis spät über den Bildschirm flimmern läßt. So schafft man erfolgreich ein emotionales Klima, in dem das hypertrophe Gewissen vergangenheitsgeschädigter und pathologisch verunsicherter Bürger den fruchtbaren Nährboden bildet für einen neoreligiösen Dualismus von Gut und Böse.

Dabei läßt man keinerlei Zweifel aufkommen, welches Verhalten zum Himmel und welches zur Hölle bereitet. Das Aufgebot staatlicher und medialer erzieherischer Maßnahmen sucht seinesgleichen. Kein Tag vergeht, ja, keine Stunde, in der man nicht das penibel einstudierte „Lied der Flüchtlinge“ singt. Zeitungen konfrontieren ihre Leser mit den Pro-Asyl-Bonmots der 100 wichtigsten [sic!] Deutschen, Nachrichtensprecher zeigen, zu Tränen gerührt, wie Menschlichkeit auszusehen hat und Politiker appellieren, wenn sie ihre Wähler nicht gerade beleidigen und verunglimpfen, an das „gute“ Gewissen und mahnen, denen, in deren Herzen nur Kälte und Haß seien, nicht zu folgen. Und in vorderster Reihe läßt man mal wieder die inoffizielle Botschafterin Deutschlands marschieren – eine Truppe, die beharrlich jede Rückbindung an Identität hinfortkorrigiert und als „Die Mannschaft“ für eine gesichtslos gewordene Gesellschaft spielt, in die man alle Refugees so gerne integrieren möchte: Welcome to Schland!

Wiederholung, Suggestion, Appell – es gibt keine Absurdität, die sich durch eine gekonnt platzierte Werbung nicht verkaufen ließe. Und doch: rd. 1.000.000 Einwanderer in Jahresfrist als „Flüchtlinge“ anzupreisen, die ausschließlich in Deutschland die nötige Sicherheit und Betreuung erfahren könnten, und die obendrein noch notwendig seien, um das selbstverschuldete Geburtendefizit und den selbstverschuldeten Fachkräftemangel auszugleichen – das glaubwürdig an den Mann zu bringen bedarf schon fachlicher Exzellenz. Das Zauberwort heißt hier „Gewissen“ und ist Urquell grenzenloser Macht für denjenigen, der es zu steuern weiß. Auch der Samen des vernunftabholdesten Nonsens’ läßt sich zuversichtlich in dieses irritable Gefäß säen, um dann der gewünschten Früchte zu harren. Der „Flüchtling“ wird Zünglein an der Seelenwaage und ungefragter Verkaufsschlager einer Politik, die sowohl über die Interessen der Aufnahmegesellschaft, als auch der Einwanderer hinweg marschiert.

Im Nebel einer heuchlerischen Barmherzigkeit schafft sie harte Fakten und bringt einen Prozeß in Gang, an dessen Ende ein gänzlich verändertes Europa stehen wird. Bis dahin wird der neue Ablaßhandel weitergetrieben. Die Pilgerfahrten zu den Erstaufnahmeeinrichtungen und Bahnhöfen werden einstweilen nicht abreißen und die erfolgreich in Position gebrachten Sünder tauschen Obst, Kuscheltiere und Willkommensplakate gegen ein gutes Gewissen. Längst ist der „Flüchtling“ zum traurigen Statussymbol geworden, worüber sich die Spreu vom Weizen trennen soll. Und die Zukunft des Kontinents hängt am seidenen Faden einer gefährlichen Hypermoral, die einen bis zur Selbstaufgabe übersteigerten Altruismus in die geplagten Herzen der Menschen treibt.

Das Ende immerhin werden wir einst in dem moralischen Hochgefühl begehen können, auch noch das Äußerste getan zu haben, um die Ungerechtigkeit in der Welt zu besiegen. Die Müden, die Armen und die Geknechteten werden wir dann nicht nur bekommen haben, wir werden zu ihnen geworden sein.

(JJ)

Dienstag, 17. März 2015

Gedankensplitter #33

Am Scheideweg.

Wir können zum Leuchtfeuer werden; 
Oder wir werden ein Scheiterhaufen.

II

Donnerstag, 5. März 2015

Gedankensplitter #32



Die Menschen sind und bleiben dumme Schafe. – Die weißen dirigieren die Hirten und die schwarzen treiben die Hunde. (II)

 

Mittwoch, 18. Februar 2015

Ein Gleichnis?

"Ein Computervirus oder ein Computerwurm ist ein schädliches Softwareprogramm, das in der Lage ist, sich auf einem Computer bzw. innerhalb eines Computernetzwerks selbstständig zu vervielfältigen, ohne dass Sie bemerken, dass Ihr System davon befallen ist. Da jede weitere Viren- oder Wurmkopie sich ebenfalls vervielfältigt, kann die Ausbreitung mit erstaunlicher Geschwindigkeit stattfinden. Es gibt eine unglaubliche Vielzahl unterschiedlicher Computerviren und -würmer, von denen viele erheblichen Schaden anrichten können." (kaspersky.com

Samstag, 14. Februar 2015

Seelenjagd


Wenn gierende Leiber blind durch die Dämmerung marschieren; wenn geil und zäh giftiger Geifer aus den schiefen Mäulern tropft und doch nur das neue Netz trauriger Komödianten schmiert; wenn der Funke ausglüht und nichts schafft, als das immer falsche Lachen und die botoxtote Grimasse schmucklosen Dabeiseins; wenn gemeißelte Münder ihre unerhörte Frage in die Ewigkeit schreien und wenn dann Stille ist, weil die Worte nur sinnlos dahinplätschern – dann reden und reden und reden die Puppen, die Stoff vom Stoffe bleiben müssen weil sie den Geist einen Lügner schelten. -- Und also kettet der ewige Harlekin das schwere Eisen des Seins an die schwachen Flügel des Werdens; und also träufelt er blendenden Sud in die Augen derer, die den Horizont lieben und das Dahinter fürchten. 

II